Proteine, Feuchtigkeit, Emollients - wie pflege ich meine Locken richtig?

Bestimmt habt Ihr in Eurer "Curly Girl Zeit" schon des Öfteren über die Wichtigkeit von Proteinen und Feuchtigkeit in Eurer Lockenroutine gehört. Und wirklich, seit ich das Prinzip um Proteine und Feuchtigkeit verstanden habe, hat sich eine kleine Welt verändert. Meine Wellen/Locken sind sichtbar und spürbar gesünder, definierter und sprunghafter geworden. Ich möchte sogar behaupten, dass sich einzelne Haarsträhnen von 2c zu 3b entwickelt haben. Und Haare, die sich davor weniger gut gelockt haben, locken sich wieder, seit ich die Protein-Feuchtigkeitsbalance endlich im richtigen Maße anwenden konnte. Schwierig zu verstehen ist das Prinzip keinesfalls - man sollte lediglich bei mehreren Waschgängen mit unterschiedlichen Produkten “experimentieren”, um das richtige Gleichgewicht für sich zu finden. 

Denn eines ist klar, jeder Lockentyp braucht Proteine und Feuchtigkeit in der Lockenpflege, und nicht entweder oder! Entscheidend ist nur, welches der beiden Komponenten in welcher Menge und zu welcher Zeit. Während zu viele Proteine Deine Haare austrocknen und anschließend brechbarer machen, sorgen sie in der richtigen Balance für mehr Stabilität und Sprungkraft. Nur Produkte mit viel Feuchtigkeit zu verwenden ist hingegen auch nicht ideal. Zu viel davon machen Deine Locken weniger voluminös und zu weich. Man sieht dann deutlich, dass sich die Locke/Welle nicht mehr richtig Formen möchte, sie hängt mehr oder weniger runter. Häufig verliert man dadurch auch die gelockten Stellen nahe an der Kopfhaut.

Der Schlüssel zum Erfolg ist deshalb nicht entweder oder, sondern beides im richtigen Maße zu verwenden!

Doch bevor ich genau beschreibe, wie Du Dein persönliches Protein-Feuchtigkeitsgleichgewicht finden kannst, möchte ich Dir vorab noch kurz ein paar grundlegende Informationen dazu geben, warum ausgerechnet Proteine und Feuchtigkeit so wichtig für unsere Haarpflege sind und warum es auch in chemischer Hinsicht betrachtet sehr viel Sinn macht, beide Komponenten zu benutzen für Curlies aller Lockentypen.

1. Wieso sind gerade Feuchtigkeit und Proteine kritisch für die richtige Lockenpflege? Und was hat es zudem noch mit sogenannten Emollients auf sich?

Lass uns ein wenig in den Aufbau unseres Haares tauchen: Der Cortex, also der Hauptteil des Haares, welcher für Elastizität und Festigkeit verantwortlich ist, besteht zu 90% aus Proteinen (Eiweißen), die als Keratine bezeichnet werden. Deshalb macht es auch Sinn, die Haare mit ausreichend Proteinen zu versorgen, um die Hohlräume im Haar zu füllen, die durch äußere Einflüssen und chemische Behandlungen entstehen. Proteine lassen das Haar stabiler und dicker erscheinen. Bevor Proteine andocken können, müssen Deine Locken allerdings erstmal ausreichend mit feuchtigkeitsspendenden Mitteln versorgt sein. Denn Proteine heften sich an die Wassermoleküle dran, denen sie auf dem Weg begegnen. Wenn also Proteine auf nicht ausreichend befeuchtete Haare aufgetragen werden, werden sie die Feuchtigkeit von den Haaren absorbieren, was trockene Haare verursacht. Zum Schluss kommen dann Emollients (rückfettende/fett liebende Substanzen oder Rückfetter genannt) ins Spiel, um Deine Locken gegen das Verdampfen des Wassers aus der Haaroberfläche zu schützen, was Deine Locken ansonsten nach schon kurzer Zeit glanzlos und spröde erscheinen lässt. Gängige Rückfetter sind beispielsweise natürliche Öle wie Olivenöl, Weizenkeimöl, Argan- oder Jojobaöl oder auch Haarbutter. Sie bedecken Deine Haare mit einer Art  „Schutzfolie“, welche die Feuchtigkeit im Haar hält.

Wichtig ist also, dass Du bei der Haarpflege daran denkst, die zugeführte Feuchtigkeit anschließend mit Emollients zu sichern, um das Verdampfen von Wasser zu verhindern. Bei sehr dünnen oder welligen Haaren einfach nur ein Hauch von Öl oder Buttern verwenden, da sie das Haar in größeren Mengen sehr beschweren können. Doch mehr zur richtigen Menge von Produkten in einem eigenen Artikel (der noch folgen wird:).

Die Devise: Feuchtigkeit, Proteine, Emollients - das ist die richtige Reihenfolge! Versiegele am Besten die zugeführte Feuchtigkeit mit leichten Ölen oder Buttern ganz am Schluss. Dies spiegelt sich auch in der berühmten LOC Methode wieder, die ursprünglich von Rochelle Graham (Gründerin von Alikay Naturals) zusammengestellt wurde. LOC steht für Liquid (wasserbasierter Leave-In) - Oil - Cream. 

2. Das richtige Gleichgewicht finden…

Wie wir nun erörtern konnten, ist eine Abwechslung von feuchtigkeitsspendenden und proteinspendenden Produkten sehr empfehlenswert für alle Lockentypen. Wie in unserer Ernährung, brauchen auch unsere Haare und Kopfhaut eine gewisse Abwechslung an Inhaltsstoffen. Häufig führt einseitige Produkt Benutzung früher oder später zu ungesunden Locken/Wellen. Nach kurzer Zeit ist der Nährstoffdefizit spürbar ersichtlich und es ist äußerst wahrscheinlich, dass ein Produkt nicht für den optimalen Bedarf von Feuchtigkeit und Proteinen sorgen kann. Oftmals sind Produkte eher einseitig ausgelegt.

Die Devise: Wenn wir wollen, dass Lockenprodukte auf Dauer ihren Job tun, müssen wir darauf achten, Proteine, Feuchthaltemittel und Emollients in einem gesunden Gleichgewicht in unsere Lockenpflege zu integrieren.

In welchem Abstand und in welcher Menge Du nun eher Feuchtigkeit oder Proteine benötigst und wie häufig, hängt von den folgenden Faktoren ab, mit denen Du Deinen gegenwärtigen Lockenzustand besser verstehen und richtig einschätzen kannst. Deshalb zur alles entscheidenden Frage:


3. Welcher Zustand Deiner Locken beeinflusst, wie viel Du von welcher der drei Komponenten benötigst?


  • Sicht-und Fühltest: Wie fühlen sich meine Haare an? 
  • Porosität
  • Dicke der Haare

  • 3.1 Sicht-und Fühltest: Wie fühlen sich meine Haare an? 

    Ob Du heute eher zur Protein oder Feuchtigkeit Flasche greifen solltest, merkst Du vor allem am Zustand Deiner Locken. Greife also mal in Deine Locken (als ob wir Curlies dass nicht sowieso die ganz Zeit tun würden ;)) und versuche, folgende Frage mit Ja oder Nein zu beantworten:

    Sind deine Haare sehr spröde, trocken, strohig, glanzlos oder brechen schnell ab?

    Ja?! In diesem Fall sind Deine Haare Protein-überpflegt und brauchen Feuchtigkeit. 

    Stehen auf Deinem Pflegeprodukt zum Beispiel folgende Mittel, dann ist viel Feuchtigkeit enthalten, was Du jetzt auch brauchst: Wasser, Aloe Vera, Glycerin etc.

    Man kann mit der Feuchtigkeitszufuhr aber auch zu weit gehen. Deine Haare sind schnell mal übersättigt mit Feuchtigkeit und dann benötigen Deine Locken/Wellen wiederum mehr Proteine als Feuchtigkeit.

    Das erkennst Du dann an den folgenden Anzeichen Deiner Haare. Sind sie platt, unvoluminös, zu weich oder hängen zu sehr und Formen nicht mehr Deine gewohnte Lockenstruktur? Hast Du normalerweise auch relativ nah an der Kopfhaut gelockte Haare, diese sind aber plötzlich weg?

    Dann greife eher zu Pflegeprodukten mit folgenden Inhaltsstoffen: Rice Protein, Keratin, L-Cystein, Collagen, Wheat Protein, Silk Amino Acids, Milk, Oat Extract, Blue Green Algae, Soy Protein etc.

    3.2 Dicke der Haare

    Feines Haar hat von Natur aus einen niedrigeren Eigenproteinanteil als dickes Haar. Deshalb können Proteine vor allem bei feinem Haar helfen, das Haar stabiler und sogar etwas dicker erscheinen zu lassen. Dickes Haar benötigt somit automatisch etwas weniger Proteinzufuhren von außen, da der Eingenproteinanteil höher ist.

    3.3 Porosität

    Falls Dir Porosität ein ganz neuer Begriff ist, lies Dir gerne parallel dazu unseren ausführlichen Artikel über Porosität durch. In diesem haben wir auch ein hilfreiches Quiz angefertigt, welches Dir ein gutes Hilfsmittel sein kann, herauszufinden, ob du niedrig-, mittel- oder hoch-poröse Haare hast. 
    Aber nun zurück zum Zusammenhang zwischen Porosität und Proteinen.

    Je poröser Deine Haare sind, desto mehr Proteine brauchen Deine Haare. Umgekehrt, je geringer die Haarporosität, desto weniger Proteine brauchen Deine Locken, jedoch auch ab und an (!). Bei sehr niedrig-porösem Haar ist sogar Vorsicht geboten mit Proteinen - diese sollten wirklich nur ab und an mal zum gezielten Einsatz kommen, z.B. in Form von monatlichen Reiswasser-Rinses oder speziellen Protein Deep Conditioner. Der Fokus liegt bei extrem niedrig-porösem Haar klar auf Feuchtigkeit.
    Hoch-poröses Haar ist entweder genetisch bedingt oder wurde durch äußere Einflüsse wie z.B Hitze oder chemische Behandlungen herbeigeführt, wordurch die Cuticula (Schuppenschicht) durchlässiger wurde. Proteine können diese von Waschgang zu Waschgang vorübergehend wieder auffüllen; das Haar wirkt also wieder gesund und hergestellt. Jedoch auch bei porösem Haar auf ausreichend Feuchtigkeit achten, sodass die Pflegeroutine nicht zu einseitig wird. Proteine können auch nur bei ausreichend hydriertem Haar richtig andocken. Entweder, man führt bei jeder Haarwäsche beides gleichzeitig zu, z.B. durch ein Feuchtigkeitsshampoo und im Anschluss einen proteinreichen Conditioner, oder man wechselt bei jeder Haarwäsche ab. Es gibt auch Curlies, welche wöchentlich zwischen Feuchtigkeits- und Protein-Fokus abwechseln.

    Wie Du merkst, geht es auch bei porösem Haar viel mehr darum, ein gesundes Gleichgewicht zu finden, als nur noch auf Proteine zu setzen.

    Als letzte Bemerkung: Unterschätze auch nicht die Wirkung von regelmäßigen Proteinkuren oder Feuchtigkeitskuren in Form von Deep Conditionern. Die Häufigkeit und zu welchem Deep Conditioner Du greifen solltest, kann auch hier nach Deinem “Haargefühl” passieren. Ist Dein Haar konstant flacher, frizzier, undefinierter und an der Wurzel weniger gelockt als normalerweise, könnten das alles Anzeichen von einem zu hohen Feuchtigkeitsanteil in Deinen Haaren sein (oder auch: “Hygral Fatigue”) und genau hier könnten 2-3 gezielte Protein Deep Conditioner Anwendungen dieses Problem relativ schnell wieder lösen. FYI: Krisy durfte erst vor 2 Wochen diese (unnötige) Erfahrung, trotz des Wissens über die Wichtigkeit von einer Balance, machen. Nach 2 Proteinkuren war das Problem wieder gelöst und ihre Haare hatten ihre alte Sprungkraft und auch die obersten Haare an der Wurzel waren erneut so gelockt wie normalerweise auch. 

    Fazit:

    Entscheidend bei der Frage um das Gleichgewicht von Proteinen und Feuchtigkeit ist, das richtige Gleichgewicht der drei genannten Komponenten für sich persönlich zu finden. Die richtige Menge von Feuchtigkeit, Proteinen und Emollients zu finden hängt wiederum vom jeweils gegenwärtigen Zustand Deiner Locken ab! Die wichtigste Erkenntnis sollte jedoch sein, dass Du alle drei dieser Komponente in Deiner Lockenroutine benötigst, um dauerhaft gut versorgte Locken zu behalten. Unterliege bitte nicht wie ich anfänglich dem Irrtum, nur eine Komponente zu benötigen, nur weil Du feststellst, dass diese Dir gerade fehlt. Als ich feststellte, dass meine Locken viel zu lange vorwiegend Feuchtigkeit ausgesetzt waren, fing ich an, wie verrückt vorwiegend proteinhaltige Produkte zu verwenden - bis meine Haare nur noch trocken und spröde aussahen. Spätestens nach ein paar Tagen oder Wochen wirst du einen Punkt erreichen, an dem Deine Locken einen Produktwechsel zwingend notwendig haben!

    Am einfachsten kommst du zu einer guten Ausgewogenheit, wenn du Produkte speziell für Feuchtigkeit und speziell für Proteine zuhause hast. Dies erkennst du an oben aufgezählten Inhaltsstoffen, die jeweils weit vorne in der Liste stehen sollten. Wenn Du mal nicht sicher bist, dann verwende Produkte, die gleichermaßen Feuchtigkeit und Proteine enthalten. Setze sie nach Deinem persönlichen Bedarf ein. Du kannst wenig falsch machen, wenn Du bei jeder Haarwäsche einmal durchwechselst. In der Lockenbox legen wir Wert auf ausreichend Abwechslung, sodass es durch den regelmäßigen Wechsel der Produkte zu keinem Overload von Proteinen oder Feuchtigkeit kommen sollte!

    In aller Kürze:

    Feuchtigkeit zu selten verwendet: spröde und trockene Haare, braucht mehr Feuchtigkeit, weniger Proteine.

    Feuchtigkeit zu oft verwendet: Haar sieht nass aus, platt, unvoluminös, formlos und hängend, braucht weniger Feuchtigkeit, mehr Proteine.

    Proteine zu selten verwendet: hängende, formlose Haare ohne Volumen, Stabilität und Sprungkraft, braucht mehr Proteine, weniger Feuchtigkeit.

    Proteine zu oft verwendet: trockene, strohige, frizzige Haare, braucht weniger Proteine, mehr Feuchtigkeit.

    Emollients zu selten verwendet: fusselige Haare, oft wie elektrisch aufgeladen, braucht mehr schützende, leichte Öle oder Haarbutter zum Versiegeln der Feuchtigkeit. 

    Emollients zu häufig oder zu viel davon verwendet: schlappe Haare ohne Volumen, sehen fettig aus, eine kleinere Menge Öle oder Haarbutter verwenden.

     

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